Bye bye Bayern in Würzburg – 200 Studenten hörten zu! Video online!

Geschrieben von:

1.390 mal gelesen

.

logo_wuerzburgTrotz schönstem Biergartenwetter folgten die StudentInnen dem Ruf der Fachschaft Sonderpädagogik, die bereits seit einigen Tagen Werbung für die Informationsveranstaltung “Bye bye Bayern? Einstellungspolitik und Arbeitsbedingungen in Bayern – Ausbildung finanziert, zum Arbeiten zu teuer?” des Bündnisses für faire und pädagogisch sinnvolle Einstellungspraxis gemacht hatte. Die Vertreter des Bündnisses wurden sehr freundlich von Herrn Prof. Dr. Lelgemann (Lehrstuhl Sonderpädagogik II) und F. Tollkühn (BLLV, Vorsitzender Fachgruppe Förderschulen) begrüßt. .

Nach den sehr treffenden einleitenden Worten von K. Rummel und Prof. Dr. Lelgemann erläuterte Fl. Kohl anhand aktueller Zahlen, Statistiken und Beispielen die Absurdität der momentanen Einstellungspolitik. Trotz erheblichem Bedarf an SonderpädagogInnen und den größten Klassenstärken im bundesweiten Vergleich werden Jahr für Jahr junge und motivierte SonderpädagogInnen mit befristeten Einjahresverträgen abgespeist. Die teilweise dramatischen und pädagogisch nicht hinnehmbaren Folgen dieser repressiven Einstellungspolitik für SchülerInnen, Eltern, LehrerInnen, Kollegien und die von allen Seiten geforderte Schulentwicklung sowie Überlegungen zur Inklusionsdebatte stellten H. Lang (BEV), J. Kunzelmann (SoLin m. befr. Vertrag) und K. Rummel (StudRefIn, Personalrat, GEW) klar heraus. Vor allem J. Kunzelmanns Berichte aus eigener Erfahrung gingen unter die Haut: Mittlerweile mit dem 3. befristeten Jahresvertrag in Folge musste sie jedes Jahr die Schule wechseln. Man merkte ihr an, dass ihr die häufigen Umzüge, das jedes Jahr aufs neue  Einarbeiten in neue Arbeitsfelder, die berufliche und finanzielle Unsicherheit und vor allem das Verantwortungsbewusstsein gegenüber ihren SchülerInnen mit sonderpädagogischem Förderbedarf sehr viel Kraft und Nerven in den letzten Jahren gekostet hat. Gerade SchülerInnen mit ungünstigeren Voraussetzungen benötigen häufig lange Zeit, um Vertrauen zu fassen, eine gesunde Beziehung zur Lehrkraft aufzubauen und damit erfolgreiche Bildung im Dialog erst zu ermöglichen. Die Enttäuschung ist auf beiden Seiten nach nur einem Jahr des Zusammenseins groß, der Vertrauensbruch bei dem ein oder anderen Schüler so schnell nicht mehr zu kitten. Fehlende Kontinuität behindert in diesem Fall Bildung massiv.

.

Doch Bayern ist nicht alles und so durfte M. Bube (StudRef) nach all den negativen Nachrichten für etwas Erheiterung im Saal sorgen. Er nahm die Studierenden mit auf eine Reise durch andere Bundesländer, die weit bessere Einstellungsbedingungen auch für bayerische Bewerber bieten. Es wurden die Länder Baden-Württemberg,  Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen bereist und die StudentInnen zeigten sich sehr interessiert an den bis dahin noch nicht bekannten Möglichkeiten.

.

Ziel des Vortrags war es aber nicht, die jungen SonderpädagogInnen der Zukunft für andere Bundesländer zu begeistern, sondern sie dazu aufzurufen, sich im Bündnis für faire und pädagogisch sinnvolle Einstellungspolitik zu engagieren und selbst für die Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen aktiv zu werden. M. Grünbauer stellte das Bündnis, seine Mitglieder, Ziele und Forderungen, bisherige Aktionen, aber auch die größten Probleme bislang vor. Leider ist der Bereich der Förderschulen kein Bereich, der im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses steht. Aber nur öffentlichwirksame Aktionen haben eine Chance, auch zu einer Verbesserung der Situation zu führen. Bislang war es dem Bündnis noch nicht gelungen, ausreichende Presseresonanz hervorzurufen.

.

F. Kohl ermutigte mit seinen Schlussworten die StudentInnen, nicht den Kopf in den Sand zu stecken und sich mit der bestehenden Situation zufrieden zu geben, sondern die Ideen des Bündnisses nach Beendigung des Studiums in die Seminare zu tragen und vor allem kritisch zu bleiben. Er stellte noch die Homepage des Bündnisss vor, rief die StudentInnen auf, sich in die Mailingliste des Bündnisses einzutragen und übergab dann an K. Rummel, die gemeinsam mit der Fachschaft für eine Überraschung sorgte. Die StudentInnen erhielten 100 Postkarten mit dem Text “Stelle gesucht: Motivierte Sonderpädagogen suchen ein faires, dauerhaftes Jobangebot irgendwo in Deutschland. Wir sind topqualifiziert, flexibel, belastbar und allzeit bereit. Bei guter Pflege bleiben wir bis zum Ruhestand“, die sie an heliumgefüllte Luftballons hängten und gemeinsam vor dem Haupteingang der Uni Würzburg steigen ließen. Ein kleiner Wink an das Kultusministerium: Gebt uns anständige Einstellungsbedingungen, sonst waren die Kosten für unsere gute Ausbildung umsonst und wir gehen da hin, wo man unsere Arbeit wertschätzt!

.

Vielen Dank an die Fachschaft für die tolle Werbung und die Hilfe mit den Luftballons. Vielen Dank an alle, die da waren! Wir freuen uns natürlich über Kommentare und konstruktive Kritik zur Veranstaltung. Benutzt einfach die Kommentarfunktion!

.

Video der Veranstaltung

.


.


Artikel drucken Artikel drucken

Ein Kommentar zu “Bye bye Bayern in Würzburg – 200 Studenten hörten zu! Video online!”

  1. Johannes Schiller sagt:

    Das habt ihr wirklich wieder klasse gemacht!! Hut ab!
    Johannes

Kommentar schreiben

XHTML: Sie können diese Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>