Förderschulen leiden unter dem Rotstift

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In der Ausgabe der Nürnberger Nachrichten vom 14.09.2009 findet sich der Artikel “Förderschulen leiden unter dem Rotstift” (Link zur Onlineausgabe) von Armin Jelenik. Endlich wird auch in der Öffentlichkeit berichtet, unter welchen Bedingungen die Förderschulen in Bayern in das neue Schuljahr 2009/2010 starten müssen. Die Klagen kommen von allen Seiten, es gibt kaum KollegInnen, die nicht von Einsparungen und weiteren Stundenstreichungen an ihren Schulen berichten können. BffE versucht bereits seit nun mehr fast 2 Jahren, den seit einigen Jahren bestehenden Trend, die Förderschulen immer weiter zu beschneiden, aufzuhalten und die Betroffenen wachzurütteln. Eine Reaktion auf diesen Artikel wäre unserer Meinung in großer Zahl sehr lobenswert. Deswegen der Aufruf: Einfach hier klicken, um einen Leserbrief per Mail zu schreiben. Danke!

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Artikel aus der NN:

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RUMMELSBERG – Bildung, Bildung, Bildung – keine Partei, die nicht in ihrem Wahlprogramm höhere Investitionen in das Schulsystem fordern würde. Doch die Realität sieht anders aus: Ausgerechnet bei den Kindern, die am meisten Betreuung brauchen, setzt der Staat gnadenlos den Rotstift an.

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«Schule zur Erziehungshilfe« nennt sich die Einrichtung im südlichen Landkreis Nürnberger Land vornehm. Schöne Worte, doch die Realität hier in Rummelsberg ist nüchterner, brutaler: Für viele der 160 Schüler ist die größte «E-Schule« Bayerns die letzte Ausfahrt, bevor es in ihrem Leben so richtig bergab geht.

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Aggressiver Nachwuchs

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Die Kinder und Jugendlichen, die hier unterrichtet und intensiv pädagogisch betreut werden, sind an der Grund- und Hauptschule nicht zurechtgekommen; sie waren und sind aggressiv, können sich keine 15 Minuten konzentrieren, sind von zu Hause abgehauen, haben einen persönlichen Misserfolg an den anderen gereiht.

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Wenn sie in Rummelsberg keinen Abschluss schaffen, dann warten nur noch Arbeitslosigkeit, Sozialhilfe, Knast auf sie. Es sind genau die Kinder, die Politiker und Experten meinen, wenn sie vollmundig verkünden, dass «im deutschen Schulsystem niemand mehr verloren gehen darf«. Und es sind genau die Kinder, denen Vater Staat trotz dieser Bekenntnisse nur wenig Aufmerksamkeit schenkt.

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Zitterpartie hat begonnen

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Für Christian Oerthel hat eine alljährliche Zitterpartie begonnen: Schüler und Lehrer sind in den Ferien, doch der Geschäftsführer der Rummelsberger Dienste für junge Menschen weiß immer noch nicht, ob er zu Beginn des neuen Schuljahrs genügend Lehrer an der E-Schule zur Verfügung haben wird, um alle Kinder auch unterrichten zu können.

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Lehrer bekommt der Diakon teilweise vom Staat zugewiesen, teilweise muss er sie privat anstellen. Doch bislang fehlen ihm noch drei Klassenleiter und ein Werklehrer . «Und bis September kann sich die Zahl der Lehrer, die wir zugewiesen bekommen, noch mehrfach ändern«, ärgert sich Erwin Meister, Vorsitzender Evangelischen Schulstiftung in Bayern, über das alljährliche Hickhack.

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Nochmal komplizierter

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Und in diesem Jahr ist die Situation nochmal komplizierter geworden: Die Lehrer werden vom Staat nicht nur sehr spät zugewiesen, sondern teilweise sogar wieder weggenommen. «Von den bayerischen Lebenshilfe-Schulen werden zum kommenden Schuljahr in hohem Maße staatliche Lehrer abgezogen«, schimpft beispielsweise Franz Burger von der Lebenshilfe Freising.

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Absolventen fehlen

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Das haben auch Christian Oerthel und Erwin Meister beobachtet. Der Staat fege den Pädagogen-Markt für seine eigenen Schulen leer, weil es zu wenige Absolventen des Fachs Verhaltensgestörten-Pädagogik gebe.

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Nicole Steinbach, Sprecherin des bayerischen Kultusministeriums, kann eine Abwerbe-Kampagne des Staates zu Lasten der privaten Träger nicht bestätigen: «Auch wir würden uns wünschen, dass es mehr Absolventen für den Bereich Verhaltensgestörtenpädagogik gäbe«, meint sie, «aber von einem bewussten Abziehen der Lehrer kann keine Rede sein.«

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Zahl der Lehrer sinkt

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Christian Oerthel vermutet zudem, dass die aufgrund der demografischen Entwicklung zurückgehenden Schülerzahlen an den Regelschulen einfach auf die Förderschulen übertragen werden. Damit sinke die Zahl der Lehrer, die der Freistaat zur Verfügung stelle – obwohl die Zahl der Kinder, die eine besonders intensive Betreuung brauchen, eher zu- als abnimmt.

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Die Schüler werden mehr, die vom Staat abgestellten Lehrer gleichzeitig weniger – Oerthel und seine Kollegen stecken damit in einer Zwickmühle. Um die steigenden Schülerzahlen bewältigen zu können, müssen sie immer mehr Lehrer mit privaten Arbeitsverträgen anstellen. Für die gibt es vom Kultusministerium aber nur einen pauschalen Kostenersatz, der laut Oerthel in vielen Fällen nicht die realen Aufwendungen deckt. Über 300000 Euro Minus haben die Rummelsberger E-Schulen deshalb im vergangenen Jahr gemacht.

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Lösungen finden

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«Ich weiß, dass die Finanzierung ein Thema ist, wir versuchen, Lösungen zu finden«, tröstet Nicole Steinbach vom Ministerium. In Oerthels Büro stapeln sich die Schreiben aus München mit diesen und ähnlich vagen Aussagen. Lange wollen die privaten Schulträger nicht mehr mitspielen: Am 10. Oktober ist ein Protesttag in München geplant, und der Ruf, dem Staat einfach die Verantwortung für die Förderschulen zurückzugeben, wird immer lauter.

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«Die Situation ist von Jahr zu Jahr schlechter geworden«, meint Bernd Albert, langjähriger Leiter des sonderpädagogischen Förderzentrums in Altdorf (Nürnberger Land). Bayern sei, so Albert, inzwischen Schlusslicht in der Sonderpädagogik: Im Freistaat kämen 7,7 Schüler auf einen Lehrer, in Baden-Württemberg seien es hingegen nur 4,9 Kinder. Und die Lehrerzahl sinke weiter. «Die Förderschulen haben in Bayern keinen Wert«, lautet Alberts bitteres Resümee, «alles Geld fließt in die Gymnasien.«

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Armin Jelinek

Quelle: http://www.nn-online.de/artikel.asp?art=1085713&kat=27


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Ein Kommentar zu “Förderschulen leiden unter dem Rotstift”

  1. Florian sagt:

    Die nächste Hiobsbotschaft von meiner Schule (Förderzentrum L in sozialem Brennpunkt): trotz akutem Stundenmangel an unserer Schule (das Unterrichtspflichtangebot kann nicht gegeben werden, die Regel sind 6 Stunden pro Woche zu wenig Unterricht für die Schüler) wird jetzt eine Kollegin abgezogen, obwohl bereits 2 (!!!) Köpfe für die Klassen fehlen – das führt dann wohl dazu, dass selbst 3 Wochen nach Schulbeginn der gesamte Stundenplan geändert werden muss und Klasse 3 und 4 zusammengelegt werden – wären dann 16 oder 17 Schüler pro Klasse. Logische Folge daraus: keine bzw. kaum Lernfortschritte für diese Klasse und absolut untragbare Arbeitsbedingungen für die Lehrkraft, die diese Klasse übernehmen wird. Vielen Dank auch! Im Kollegium denken mittlerweile einige Kollegen einfach ans Aufhören…

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