Wer hat die Lobby…?
Geschrieben von: Florian
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Tja, so ist es nun einmal. Die Meldung von Kultusminister Spaenle, im Februar nur 50% aller Bewerber für das Gymnasiallehramt einzustellen, schockte die Referendare ziemlich heftig. Schnellstens wurden Protestaktionen gestartet und durchgeführt, die Verbände aktiviert, innerhalb von 2 Tagen 1000 Unterschriften gesammelt, offene Briefe geschrieben, und siehe da, schon wurde die Zahl der Neueinstellungen um 100 Stellen nach oben korrigiert. So schnell kann das gehen, wenn es sich ums Gymnasium dreht.
(Von der BLLV-Homepage:
Die Ankündigung des Kultusministeriums, zum Februar 2010 insgesamt nur etwa 50% aller Bewerber einzustellen – und damit in manchen Fächerkombinationen praktisch nur einen oder zwei Bewerber bayernweit – hat zu einer Welle an Protesten geführt. Nicht nur der BLLV, sondern auch andere Verbände haben massiv zusätzliche Anstellungen gefordert. Hinzu kamen zahlreiche Initiativen von Referendaren und die Proteste von vielen Unterstützern vor Ort.
Auch ist es uns gelungen, die Medien für unser Anliegen zu gewinnen. Diese Proteste haben dazu geführt, dass nun insgesamt 400 Einstellungen vorgenommen werden. Der Offene Brief des BLLV hat hierbei auch eine zentrale Rolle gespielt. Innerhalb von nur zwei Tagen haben sich über 1.000 Personen eingetragen.)
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Im Bereich der Sonderpädagogik kann man offene Briefe schreiben, Verbände aktivieren, Gesprächsrunden organisieren, Podiumsdiskussionen mit Regierungsvertretern anbieten, Druck auf Parteien ausüben, Petitionen starten, 3000 handschriftliche und 2000 Online-Unterschriften sammeln, sich jahrelang bemühen, Aktionen starten, die Medien bemühen, Artikel in Fachzeitschriften schreiben – und es wird dennoch nur schlimmer anstatt besser – und keinen interessierts. Nichtmal die Betroffenen selbst scheinen sich über die katastrophalen Einstellungs- und Arbeitsbedingungen mehr aufzuregen, sondern hecheln verbissen den utopischen Einstellungsnoten hinterher. Man merkt, worauf in Bayern Wert gelegt wird. Schade.
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Dienstag 23. Februar 2010 um 19:48
Hallo Florian,
ich glaube die große Anzahl an Gymnasiallehrern kann sich einfach lauter beschweren, als die kleine Menge an Sonderpädaogogen. Zudem haben die Schüler an den Gymnasien wesentlich einflussreichere Eltern.
Ich habe aber auch das Gefühl, dass die Sonderpädaogen in Bayern, ihre aussichtslose Situation fast akzeptiert haben.
Allerdings wäre noch zu überprüfen, ob die 400 neu geschaffenen Gymnasialstellen nicht auch nur ein Tropfen auf den heißen Stein sind, mit dem man Eltern und Lehrer beruhigen möchte…
viele Grüße
Matthias
Mittwoch 24. Februar 2010 um 20:58
Leider beschwert sich die kleine Menge an Sonderpädagogen nicht mal richtig – meiner Meinung nach das größte Problem, das wir hier in Bayern haben. Unzufriedene Kollegien? Klar. Aber selbst mal etwas bewegen oder sich solidarisch mit dem sonderpädagogischen Nachwuchs zeigen, auf die Personalversammlungen gehen, sich in den Verbänden Gehör verschaffen…? Naja…
Mittwoch 24. Februar 2010 um 21:18
Hallo Mike,
ich kann dir nur zustimmen. In meinem Gblog, aber auch in allen anderen Bereichen auf gpaed.de spüre ich seit Jahren eine, sagen wir mal sonderpädaogische Zurückhaltung
Auf Websites des Regelschulbereichs wird geschrieben und diskutiert ohne Ende und bei den Sonderpädaogen ist man froh, wenn ein paar Ausnahmen (sind meist immer die Gleichen) ein paar Zeilen schreiben.
Es kann natürlich auch sein, dass der Prozentsatz an diskutierwilligen Lehrern im Regelschulbereich gleich groß ist und nur die große Menge die Diskussion am Laufen hält. Aber vielleicht ist es auch so, dass der Sonderpädagoge durch seine Arbeistbedingungen bereits so gestresst ist, dass er zu keiner Diskussion bzw. zu keinem Kommentar fähig ist
Mittwoch 24. Februar 2010 um 21:36
Hallo Matthias,
ich glaube wirklich, dass deine zweite Vermutung voll ins Schwarze trifft. Die Arbeitsbelastungen sind härter geworden, das wird keiner bestreiten, der schon ein paar Sonderpädagogikjahre auf dem Buckel hat. Bei mir selbst kann ich feststellen, dass ich seit einigen Jahren immer größere Probleme habe, selbst mit meiner Arbeit zufrieden zu sein – ich schaffe es beim besten Willen nicht mehr, meinen Schülern die Förderung zukommen zu lassen, die sie eigentlich benötigen würden. Es sind einfach nicht genug Förderstunden möglich, von Einzelförderung träume ich nur noch…
Donnerstag 25. Februar 2010 um 21:11
Nochmal an Matthias,
tolle Seite hast du da…! Kannte ich tatsächlich noch nicht. Und was ich eigentlich sagen wollte, bezugnehmend auf meinen vorherigen Eintrag: ich habe wirklich kaum Zeit, im Netz zu diskutieren.
Samstag 27. Februar 2010 um 15:38
Gerade eben habe ich gelesen, dass von 627 Bewerbern aus dem aktuellen Prüfungsjahrgang Lehramt Gymnasium 366 Personen eingestellt werden.
Die größere Lobby und deren Protestaktionen haben somit auch nicht besonders viel gebracht. O.K. es wurden ca. 9% mehr eingestellt als zunächst mit den 50% angekündigt wurden, aber als großen Erfolg würde ich das bisher nicht bezeichnen…
Sehr ernüchternd, wenn selbst die einflussreichste Schulart in Bayern so wenig mit ihren Protesten erreicht…
Samstag 27. Februar 2010 um 22:25
Jup, habe heute auch die Email von Roland Kirschner (bllv) mit den aktuellen Einstellungszahlen zum Halbjahr für das Gymnasium bekommen. Man muss aber auch dazu sagen, dass die Einstellungszahlen für das Halbjahr am Gymnasium immer etwas schlechter sind. 9% statt angekündigter 50% mehr ist aber natürlich schon sehr heftig. Man darf aber auch nicht vergessen, dass am Gymnasium 19 (und mehr) verschiedene Fächerkombinationen eingestellt werden – ein Physiklehrer kann nicht Deutsch oder Englisch geben. Manche werden eben dringend gebraucht, andere nicht. Zudem liegt die heftigste “Einstellungsnote” für Wirtschaft/Recht-Lehrer bei 1.77 – nicht mal ansatzweise im Bereich der utopischen Noten im G- und K-Bereich. Der grundlegende Unterschied im Vergleich zur Förderschule besteht demnach auch darin, dass es bei uns 8 verschiedene Sonderpädagogikstudiengänge und damit auch 8 verschiedene Einstellungsnoten gibt – letztendlich aber alle überall eingesetzt werden, ohne Rücksichtnahme auf Verbeamtung oder Angestelltenstatus. (Außnahme wohl noch die Blindenpädagogen). Die Problematik unterscheidet sich also grundlegend.
Wer sich für die genauen Einstellungszahlen fürs Gymnasium interessiert, hier der Link:
http://www.bllv.de/Februar-2010.5370.0.html