Carretera Austral – Chiles Straße nach Süden

12.12.2018 – 23.12.2018

Carretera Austral (Ruta CH- 7)

Im Jahre 1976 begannen unter der Militärdiktatur Augusto Pinochets die Bauarbeiten für eine Straße durch den Süden Chiles. Die Carretera Austral („Südliche Landstraße“) bildete das bis dahin aufwändigste Großprojekt Chiles im 20. Jahrhundert und galt als Prestigevorhaben des Regimes. Mehr als 10.000 Soldaten wurden zeitweise für den Bau eingesetzt. Der Straßenbau erwies sich als äußerst schwierig, da die Landschaft von Fjorden, Gletschern und Gebirgszügen durchschnitten ist. Eine direkte Nord-Süd-Verbindung war technisch unmöglich, daher führen rund 1150 km der Wegstrecke von Norden nach Süden und rund 229 km von West nach Ost. Vier Meerengen müssen per Fähre gekreuzt werden. Noch heute sind Teile der Carretera Austral einfache Schotterpisten; die Wartung und Pflege der insgesamt 1350km erweist sich als sehr aufwändig.

Von Puerto Montt nehmen wir eine erste kleine Fähre nach Curamin. Das Wetter ist zur Zeit nicht so freundlich zu uns, es ist bewölkt, hin und wieder regnet es. Vier Stunden sind wir dann von Hornopiren aus mit der zweiten Fähre unterwegs, leider bei Regen und Wolken, Die Fjord-ähnliche Landschaft ist trotzdem fantastisch.

Ankommen, 4 km selber fahren, dann auf die dritte Fähre bis zum Pumalin Nationalpark. Der Pumalín-Park ist ein Naturschutzprojekt des US-amerikanischen Millionärs Douglas Tompkins, der der Begründer der Outdoor-Marke Northface ist. Pumalin liegt im Süden Chiles, zwischen Hornopiren und Chaiten. Mit einer Fläche von inzwischen rund 290.000 Hektar ist Pumalín der größte private Park des Landes.Damit ist der Park so groß wie das Saarland und Hamburg zusammen. Er umfasst das letzte große zusammenhängende Waldgebiet Chiles.

Im Park sind die Straßen gut geschottert und wir finden einen wunderschönen Stellplatz am Lago Blanco. Wir machen eine Wanderung zu den Alercen.

An ihren Heimatstandorten wächst die Patagonische Zypresse (Alerce) als mächtiger Baum und kann Wuchshöhen von etwa 45 bis 50m sowie Stammdurchmesser 3 bis zu 5m erreichen. Die älteste Alerce konnte auf ein Lebensalter von 3600 Jahren datiert werden. Alle Alercen sind weltweit geschützt, jeglicher Handel ist verboten, da sie fast verschwunden sind, weil Alercen bevorzugt als Bauholz bzw. für den Schiffsbau verwendet wurden. Dazu wächst diese Zypressenart extrem langsam, für 1mm Zuwachs an Stammumfang benötigt sie drei Jahre.

Beim Spaziergang mit Blick auf den Vulkan Chaiten beobachtet Heike ein Pudu, ebenfalls vom Aussterben bedroht, eine Art Mini-Hirsch mit Dackelbeinen.

Am Lago Yelcho ist wieder so ein genialer Stellplatz mit Hütte, Feuerplatz und heißen Duschen.

Sonne und Regen wechseln sich ab, und mit Entsetzen betrachten wir die riesigen Flächen, die eine kilometerlange und-breite Schlammlawine genau vor einem Jahr am 16.12.2017 verwüstet hat.

Das halbe Dorf Santa Lucia wurde zerstört, es gab ca. 40 Tote, die im Schlaf überrascht wurden.Ein Geologe führte die Katastrophe auf das Loslösen einer großen Eismasse des Gletschers Yelcho zurück, Rund 20 Häuser und eine Schule waren von dem Erdrutsch betroffen, noch heute, ein Jahr später sind die Folgen noch immer unübersehbar.

Wir biegen ab in das Valle Mirta, eine kleine Schotterpiste, die kurvenreich durch felsige Waldlandschaft am Lago Claro Solar vorbei führt.

Dann eine Hängebrücke für max. 5 Tonnen und so eng, dass sogar die Außenspiegel des Sprintis an den Seilen schleifen, also einklappen. Bei der Fahrt darüber hat sich das Teil ganz schön bewegt…..es hat richtig gewackelt.

Sonne !!! Fahren die Runde zu Ende, kommen wieder an der Carretera Austral an und besuchen dann den Ventisquero Colgante (=Hängender Gletscher) im Nationalpark Queulat.

Ein strahlend blauer See, ein mächtiges Bergmassiv, in dem ein gigantischer Gletscher hängt, von dem sich ein rauschender Wasserfall in die Tiefe stürzt. Am Aussichtspunkt nach etlichen Kilometern Fußmarsch haben wir einen imposanten Blick auf Gletscher und Wasserfälle.

Die Carretera bleibt schotterig, viele Serpentinen hoch und runter, Wasserfälle, Bäche und Wälder, viele Baustellen, am Weg, Wildrosen, Fingerhut und vor allem Lupinen, wir bestaunen die Gletscher des Cerro Castillo (2675m), der wirklich Ähnlichkeiten mit einer Burg (castillo) aufweist, und finden einen Fleck am Rio Ibanez.

Vaqueros reiten vorbei, immer in Begleitung ihrer Hütehunde, und suchen nach ihren Kühen, die grundsätzlich frei weiden dürfen.

Immer wieder viel Staub, Schotter und Wellblech-Geschüttel…..

In Puerto Rio Tranquilo am Lago General Carrera werden wir sofort angesprochen, ob wir noch die letzten zwei Plätze zu den Marmor-Höhlen in einem Boot besetzen wollen. Klar wollen wir !

Die vom Wasser des Lago General Carrera ausgewaschenen Marmorhöhlen sind die Hauptattraktion des Ortes. Sie liegen ein paar Kilometer südlich und sind nur übers Wasser zu erreichen. Mit den kleinen Außenbordmotorbooten für uns 9 Personen kann man weit in die Höhlen hineinfahren, aber nur, wenn das Wetter mitspielt.

Zu viel Wind und zu hohe Wellen können die Tour schon mal vermasseln…..da wir vormittags unterwegs sind, haben wir Glück, am Nachmittag werden alle Touren gecancelt……Das irrsinnig türkisgrüne Wasser umspielt unser Boot und die Auswaschungen sind beeindruckend.

Wir fotografieren wie die Weltmeister, bestimmt hundert Fotos…..die Auswahl ist dann schon sehr schwierig !

Wir verlassen den türkisen See, kommen an einem Wasserfall des Rio Baker vorbei und erleben die ersten Steh- und Gehversuche eines neugeborenen Guanakos im Parque Patagonia.

Hasta luego, Carretera austral…..


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